Lilian Iselin

Rückblick: Sumaya Farhat-Naser zu Besuch in Bülach

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Stell Dir vor, du wohnst in einer Stadt, die ringsum von einer Mauer eingeschlossen ist. Es ist keine Stadtmauer zum Schutz gegen Feinde, wie früher im Mittelalter. Es ist vielmehr eine Mauer, die andere um deine Stadt gebaut haben, um sich vor dir zu schützen...
Lilian Iselin,
Die Stadt verlassen oder betreten kannst du nur zweimal am Tag während eines kurzen Zeitfensters von zehn Minuten und das durch ein Eisentor, einen Checkpoint, bewacht von den andern. Stell Dir vor, dass deine Kinder, die zur Schule müssen, manchmal bis zu drei Stunden warten müssen, bis sie passieren können. Und den Bauern der Stadt ist der einfache Zugang zu ihren Feldern verwehrt. De facto ist die Mauer um deine Stadt eine Gefängnismauer. Kannst du dir das vorstellen?

An ihrem Vortrag hat Suamaya Farhat -Naser aus ihrem neusten Buch Ein Leben für den Frieden - Lesebuch aus Palästina (2017) vorgelesen und in bewegenden Bildern und Worten vom Alltag unter Besatzung im Westjordanland berichtet. Sie erzählte unter anderem von Qalqiliya, einer palästinensischen Stadt direkt an der Sperrmauer, welche der Staat Israel auf dem Land der Palästinenser gebaut hat. Dadurch wird nicht nur die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung erheblich eingeschränkt, sondern auch das Territorium, das ihnen gemäss Oslo II-Abkommen von 1995 zusteht. Für die Menschen dort wird der Alltag durch die Mauer und die damit einhergehende Kontrolle sehr erschwert. Diese Lebensform ist kaum auszuhalten und macht die Bewohner krank und depressiv. Viele verzweifeln.

Es geht unter die Haut, von einer Betroffenen solche Schilderungen aus erster Hand zu erfahren. Sumaya Farhat-Naser sprach von einer wachsenden Angst der palästinensischen Bevölkerung in den de facto besetzten Gebieten und von schwindender Hoffnung. Dennoch lässt sie sich nicht abbringen von ihrem Bemühen um Frieden und Begegnung. Beeindruckend war ihre wiederholte Aussage, dass die Begegnung von Mensch zu Mensch Mauern des Misstrauens und der Angst vor dem andern zum Einstürzen bringt. Sie belegte dies mit eindrücklichen Beispielen, wie Soldaten menschlich handelten, als Sumaya es wagte, sie in angespannten Situationen an den Checkpoints als Menschen anzusprechen.

Gegen hundert Personen hörten Suamaya Farhat-Naser gebannt zu und unterstützten ihre Arbeit der gewaltfreien Friedensarbeit, der Förderung des Dialogs und der Vermittlung mit einer Kollekte von rund 2'500 Franken. Beim Apéro organisiert von Claro Bülach und TEAM WELT, wurde der Betroffenheit bezüglich des Gehörten Ausdruck gegeben und intensiv diskutiert. Die Referentin beantwortete persönliche Fragen und signierte ihre Bücher, welche die Altstadtbuchhandlung Bülach nach der Lesung und dem Vortrag verkaufte. Die musikalische Umrahmung durch Mahdi al-Tashly an der Oud, einem orientalischen Saiteninstrument, gab dem Abend eine eindrückliche Note.

Bereitgestellt: 14.05.2018     Besuche: 21 Monat 
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