Jürg Spielmann

Abgewiesene Geflüchtete zu Gast im Gottesdienst am Flüchtlingssonntag, 16.6.19

Fotografin: Ursula Markus, Solinetz-Zürich<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>refkirchebuelach.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>29</div><div class='bid' style='display:none;'>5778</div><div class='usr' style='display:none;'>27</div>

10.00 Uhr
Ref. Kirche Bülach
Jesuiten-Flüchtlingsseelsorger Christoph Albrecht
Pfarrer Jürg Spielmann
Musik:
Habib Tamer, Gesang, Gitarre und Saz; Susanne Rathgeb, Orgel
Jürg Spielmann,
Sie können hier nicht sein
noch dort
sie haben kein Daheim
nur fort

kein Hauch von Heimatspur
Zuhaus'
sie müssen eines nur
hier raus!


Sie, das sind abgewiesene Geflüchtete, denen wir im Gottesdienst am Flüchtlingssonntag eine Stimme geben wollen. Zusammen mit dem Jesuitenseelsorger Christoph Albrecht werden sie bei uns im Gottesdienst zu Gast sein. Diese abgewiesenen Geflüchteten hausen unweit von Bülach, in einer Notunterkunft in Glattbrugg, wo sie ihren täglichen Lebensbedarf mit einem Minimalbudget bestreiten müssen. Sie haben keine Perspektive. Sie leiden oft unter Depressionen, eine Not, an der die Kirche nicht vorbeischauen darf!
Musikalisch wird Habib Tamer aus dem Irak mit seiner Saz, einer Art orientalischer Laute, ganz besondere Akzente setzen.

Zum Hintergrund
Im Kanton Zürich gibt es 5 Notunterkünfte für Geflüchtete, die vom SEM (Staatssekretariat für Migration) einen negativen Entscheid erhalten haben, aber nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren (können). Seit 1.3.19 lautet die Bezeichnung für die Notunterkünfte neu Rückkehrzentren (RKZ). Entgegen der Beurteilung durch die Behörden wollen oder können diese abgewiesenen Geflüchteten nicht zurück, aus Gründen befürchteter Repressalien, oder weil keine Rücknahme-Abkommen zwischen der Schweiz und den betreffenden Ländern bestehen. Wer mit negativem Bescheid in der Schweiz bleibt, ist illegal hier. Faktisch müsste der Staat solche Geflüchtete in die Ausschaffungshaft transferieren, also ins Ausschaffungsgefängnis nach Kloten. Das geschieht aber deshalb längst nicht mit allen, weil dies dem Staat exorbitante Kosten verursachen würde, und diese Administrativhaft gesetzlich nur für begrenzte Dauer angeordnet werden darf. Deshalb wurden die erwähnten RKZ eingerichtet, wo die Gruppen Geflüchteter mit negativem Bescheid zur Not ihr Dasein hier fristen können.
Adliswil, Kemptthal, Hinteregg, Urdorf und Glattbrugg sind die Standorte dieser RKZ. Mit Glattbrugg befindet sich also eines dieser Rückkehrzentren im Bezirk Bülach, sprich in unserem Pfarrkapitel.
Fr. 8.50.- beträgt die Tagespauschale, mit der diese Geflüchteten das Essen, Hygieneartikel, schlicht das Lebensnotwendige berappen müssen. Zweimal pro Tag müssen sie sich im RKZ melden. Ansonsten entfällt diese Pauschale. Tauchen sie also unter, erhalten sie überhaupt kein Geld mehr. Von Zeit zu Zeit werden sie bei Ausweiskontrollen willkürlich inhaftiert. Man spricht von Durchsetzungshaft. Gemeint ist eine Zermürbungstaktik, mit der diese Nothilfeempfangenden dazu bewegt werden sollen, (doch endlich) von alleine zu gehen.
Dieselbe Taktik beinhaltet für ca. 25% der abgewiesenen Geflüchteten sogenannte Eingrenzungen (Rayonverbote). Eingrenzung bedeutet, dass die sich davon betroffenen Leute aus Glattbrugg nur noch im Bezirk Bülach bewegen, also z.B. auch nach Zürich nicht fahren dürfen, um dort Gratisdeutschkurse der autonomen Schule oder vom Solinetz zu besuchen. Das ist der Grund, weshalb ihnen nach Möglichkeit die Bülacher Deutschkurse zugänglich gemacht wurden und werden. Mobilität ist ohne zusätzliche finanzielle Hilfe ohnehin nicht möglich.
Diese Menschen haben keinerlei Perspektiven. Es sind absolut keine Integrationsmassnahmen von Seiten des Staates für sie vorgesehen, da sie ja gemäss Beschluss gar nicht mehr hier sein dürften. Es gibt also von staatlicher Seite keine Deutschkurse für sie. Ebenso wenig andere Aktivitäten, welche sie in irgendeiner Weise beschäftigen würden, an Arbeit ohnehin gar nicht zu denken. Es bedarf keiner weiterer Worte, die Not dieser Menschen zu beschreiben.

Humanitäre Massnahmen
JRS-Schweiz
Glücklicherweise hat sich der Jesuiten Flüchtlingsdienst Schweiz (JRS-Schweiz) der Geflüchteten in Glattbrugg angenommen. Christoph Albrecht, selber Jesuit, Theologe und Seelsorger, macht, u.a. auch in Zusammenarbeit mit Solinetz Zürich, im Auftrag von JRS-Schweiz regelmässige Besuche in der Notunterkunft in Glattbrugg.
Hier die beiden Links:
jrs-schweiz
solinetz-zh
Christoph Albrecht führt Seelsorgegespräche, organisiert Begegnungsmöglichkeiten oder Anwälte in extremen Notlagen und anderes mehr. Vor allem treibt er nach Kräften auch finanzielle Mittel auf, damit die Geflüchteten wenigstens ab und zu eine Zugfahrt an einen Deutschkurs machen oder medizinisch Unverzichtbares kaufen können, was ihnen bei ihrem Minimalbudget schlicht unmöglich wäre.

Nachtessen Hegnerhof
Jeden Dienstagabend veranstaltet Christoph Albrecht zusammen mit Solinetz und Besuchsgruppen des Bündnisses www.wo-unrecht-zu-recht-wird.ch auf dem Hegnerhof ein Nachtessen, um so den Geflüchteten etwas Abwechslung und insbesondere zwischenmenschliche Begegnungen zu verschaffen

Koordinationsstelle für die Arbeit von Freiwilligen mit Asylsuchenden in Bülach
In gemeinsamer Trägerschaft der kath. und ref. Kirchgemeinden und der Stadt Bülach wurde 2017 eine 30%-Koordinationsstelle für die Arbeit von Freiwilligen mit Asylsuchenden geschaffen. Leiterin der Stelle ist die pensionierte Sozialdiakonin (ehemals KGM Bülach) Mirjam Meier, die zusammen mit rund 50 Freiwilligen viel für Geflüchtete in der Region aufgebaut hat. (Siehe Links unten).
C. Albrecht und M. Meier hörten voneinander, nahmen Kontakt auf und fädelten es ein, dass abgewiesene Geflüchtete von Glattbrugg aus an den von Freiwilligen erteilten Deutschkursen in Bülach teilnehmen konnten und können. Das Geld dafür (Fahrspesen und Schulungskosten) wurde von der ref. Kirchgemeinde Bülach aufgebracht.
Nähere Infos unter folgenden Links:
https://www.refkirchebuelach.ch/bericht/472
https://www.refkirchebuelach.ch/asylsuchende

Sammelaktion im Pfarrkapitel Bülach
Angesichts der grossen Not dieser Ärmsten unter den Armen startete das Pfarrkapitel Bülach im Mai 2019 eine Sammelaktion im ganzen Bezirk, um diesen abgewiesenen Geflüchteten ihr Dasein wenigstens ein bisschen erträglicher zu machen.
Für das TEAM WELT
Jürg Spielmann
Bereitgestellt: 24.05.2019     Besuche: 125 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch